Alleine nach Istanbul, Indien oder Afrika reisen. Als Frau.

Wie bitte, du gehst alleine nach Istanbul? Als Frau? Ja, diese Frage wurde mir eigentlich immer gestellt, als ich von meinem bevorstehenden Auslandssemester in der Türkei erzählte.

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All diese Fragen durfte ich mir jedes Mal anhören. Ja, ich bin mir sicher, dass ich da hin möchte. Und so exotisch ist es überhaupt nicht. Besonders im europäischen Teil von Istanbul findest sehr viele “westlich orientierte“ Menschen.

 

Nachts als Frau unterwegs

Und natürlich darf ich da als Frau Nachts in eine Bar oder einen Club gehen. Viele denken, dass man in Istanbul hinter dem Mond lebt. Dabei handelt es sich um eine moderne, im 21. Jahrhundert angekommene Millionenmetropole, in der man sehr gut ausgehen kann. Egal, ob auf ein Glas Wein oder zum Feiern im Studentenviertel Ortaköy – Istanbuls Nachtleben hat mindestens genauso viel zu bieten, wie jede andere Großstadt auch. Nachts laufe ich auch in Deutschland nicht gerne alleine nach Hause. Daran wird sich im Ausland nichts ändern.

 

Sind die Menschen dort wirklich so aufdringlich?

Ich muss zugeben, dass viele mir bereits von aufdringlichen Türken am Stand in der Türkei erzählt haben. Da ich da noch nie war, kann ich das nicht beurteilen. Aber leider dient dieses Bild ihnen jetzt als Prototyp für das gesamte Land. Zumindest in Istanbul habe ich kein einziges Mal einen aufdringlichen Mann gesehen. Dafür waren alle höflich, hilfsbereit und sehr freundlich. In Spanien – und den südlichen Ländern im Allgemeinen – wird dir als Blondine dagegen an jeder Ecke hinterher geschaut und gepfiffen. Hättest du gedacht, dass es innerhalb Europas extremer sein kann?

Ja, sie haben eine andere Religion. Aber was macht das für einen Unterschied? Ich werde nun einmal in einem Land mit anderen kulturellen Gegebenheiten leben. Dazu gehört eben wie das Essen auch die Religion. Da ich nicht vorhabe verheiratet wiederzukommen (ich glaube, das ist worauf alle mit dieser Frage hinaus wollen) ist das Thema Religion doch „zweitrangig“, oder?

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Wie mediale Berichterstattung den Tourismus gefährdet

Zu den Konflikten in anderen Ländern habe ich meine eigene Meinung. Als ich in Istanbul war, ist ein von der Polizei ins Koma geschossener Junge leider endgültig verstorben. Vielleicht hast du davon ja etwas mitbekommen. Die Menschen gingen dafür auf die Straße, aber so einen friedlichen Protest habe ich in Berlin, z.B., noch nie gesehen. Die Menschen machten Lärm mit Holzlöffeln auf ihren Töpfen, ein kleines Lagerfeuer brannte, von dem aber keinerlei Gefahr ausging. Am nächsten Tag stellten sich die Menschen im Kreis um den Taskim Platz, damit dort niemand durchlaufen konnte. Dies sollte als Zeichen dienen, dass nicht nur von der Polizei Macht ausgeht, sondern auch von der „einfachen“ Bevölkerung. Wie gesagt, so etwas friedliches habe ich selten gesehen. Weißt du, was mich an der ganzen Sache aber richtig sauer und wütend gemacht hat? Die deutsche Berichterstattung. Spätestens seit dem Flugzeugunglück der Germanwings sollte jeder mitbekommen haben, dass nicht alles, was gesagt wird, der Wahrheit entspricht, vieles überdramatisiert und voreilig berichtet wird. Und das alles, nur um eine Schlagzeile zu bekommen. So war es auch in dem eben beschriebenen Fall: bereits am selben Abend war in den deutschen Medien von brutalen Ausschreitungen mit viel Polizeigewalt die Rede. Von genau diesem Taksim Platz wurden angebliche Geschehnisse gezeigt: Wasserwerfer, rennende Menschen, Brutalität. Doch das hatte hier an dem besagten Tag definitiv nicht stattgefunden. Das waren Archivaufnahmen, die nicht einmal als solche gekennzeichnet wurden.

Als ich dann nach meinem Urlaub nach Hause kam, war bei meinem liebsten Radiosender genau das Thema: “falsche Berichterstattung der Medien, die den Tourismus in vielen Ländern zerstört.“ Ist ja logisch, wenn man solche Bilder sieht, dann traut man sich vielleicht nicht mehr hin. Und alle Menschen, die dort angerufen haben, um zur Diskussion beizutragen, sagten dasselbe: so schlimm wie die Medien es darstellten, war es überhaupt nicht. Vielleicht gibt es ein, zwei Orte, die man meiden sollte, aber ansonsten ist alles wie immer. Von asiatischen Ländern, ägyptischen Ausschreitungen und US-amerikanischen Konflikten wurde berichtet.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nicht alles, was im Fernsehen oder der Zeitung gesagt wird, der Wahrheit entspricht. Du solltest diese Informationen stets hinterfragen, denn vieles wird für die Schlagzeilen künstlich hochgepusht.

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Höre auf dein Bauchgefühl

Natürlich gibt es Länder und Regionen, in denen Krieg herrscht und wo du nicht unbedingt hinreisen solltest. Aber die Welt ist gar nicht so schlimm wie manche behaupten. Ich habe mich in Istanbul zu keinem Zeitpunkt wirklich bedroht gefühlt. In Spanien gab es hingegen durch die Aufdringlichkeit der Menschen ab und an komische Situation. Was sagt uns das? Auch in Europa ist nicht jedes Land gleich. Kaum eins entspricht dem uns aus Deutschland Bekannten. Das ist aber auch gut so, denn sonst bräuchte man ja nicht zu reisen.

Mein Tipp an dich: lass dich durch die Ängste der anderen nicht von deinen Plänen und Zielen abbringen. Wenn du nach Israel, Afrika, Südamerika oder wie ich in die Türkei möchtest, dann tu es! Überzeug dich selbst von der Realität und lass dir nichts einreden. Handel dabei aber natürlich nicht leichtsinnig. Ich persönlich lese gerne Erfahrungen von anderen Reisebloggern in bestimmten Regionen, da sie nicht nur Insider-Tipps geben, sondern oftmals auch näher an der Wirklichkeit liegende Berichterstattungen bringen. Trau dich, aber höre auf dein Bauchgefühl.

 

Würdest du alleine in „gefährliche“ Länder verreisen?

Warst du das vielleicht sogar schon?

15 Kommentare

  1. Charlotte sagt: Antworten

    Ich finde du hast absolut recht. Man sollte sich von solch Geschichten nicht von einer Reise abhalten lassen und sich immer selber ein Bild machen! Ich selbst war mal in Tunesien und muss sagen, dass gerade die Männer schon sehr aufdringlich waren. Aber ich schaue darüber hinweg und würde auch wieder hinfliegen 🙂

    1. Izabela sagt: Antworten

      Danke für dein Kommentar! 🙂 Also, würdest du mir aber recht geben, dass es in Ländern wie Spanien oder Italien mindestens genauso aufdringliche Männer sind wie in Tunesien? Grüße 🙂

  2. Bärbel Frau auf Reisen sagt: Antworten

    Ich war allein in Marokko und in der Türkei. Teilweise nicht ganz allein, aber stets auch viele Wege allein unterwegs. Vor allem liebe ich es, egal wo, mit dem Bus der Einheimischen unterwegs zu sein. Alleine habe ich so wunderbare Orte entdeckt wie Sidi Kaouki in Marokko. http://www.frau-auf-reisen.de/?p=4156 Und ich bin keine tollkühne Heldin! Ich bin stets ein wenig aufgeregt im Vorfeld solcher Reisen … und dann LIEBE ich es, zu erleben wie ich es tue. Was man selbst mit einer Reise will, ist sehr ausschlaggebend dafür, wie man sie gestaltet und was man ausstrahlt.
    Danke für den inspirierenden Artikel!!!

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Bärbel, danke für dein Kommentar. Freut mich, dass dir der Artikel gefällt & und ich muss dir definitiv zustimmen: alles, in Kombination mit den Einheimischen lässt einen das Land so viel intensiver erleben. Grüße 🙂

  3. Schöner Bericht, gefällt mir gut. Ich liebe Istanbul und war mehrmals dort. Bisher war ich zwar nicht alleine unterwegs aber mit 4 Frauen. Mir gefällt die Mischung in der Stadt, zwischen hochmodern und orientalisch. Wir haben uns immer wohl gefühlt. Auch deutsche Großstädte können sehr gefährlich sein. Da passiert auch immer mal etwas. Das mit dem Bauchgefühl kann ich nur bestätigen.

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Renate, da sagst du etwas ganz richtiges: auch in deutschen Großstädten ist es nicht wesentlich gefährlicher bzw. ungefährlicher. Man muss halt nur wissen, wo die „bösen“ Ecken sind und auf das Bauchgefühl hören. Istanbul ist toll, hast du recht! 🙂

  4. Sarah sagt: Antworten

    Ein wirklich spannender Bericht! Vor allem für mich auch super interessant 🙂
    Danke für die Infos!

    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag <3
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

  5. Hallo Iza,
    ich bin Anfang der 80er allein durch die Türkei gereist, nachdem die Kollegen mir weise Ratschläge erteilten, wie „Sie wissen ja, dass die Türken 4 Frauen heiraten dürfen“ . Gegen so viel Unwissenheit kam ich nie an. Ich bin mit dem öffentlichen Bus quer durch das Land bis Iskenderun gefahren. Die Busfahrer nahmen sich meiner an, d.h. sie begleiteten mich bei der Raststätte zum Tisch und zur Toilette(!) . Nie habe ich mich sicherer gefühlt. Im Gegenteil, es nervte fast ein wenig. Heute ist es bestimmt anders.
    Auch in Istanbul bin ich sehr oft allein unterwegs gewesen, allerdings nur tagsüber. Man sollte sich auf jeden Fall mit der Kultur beschäftigen. Dass Frauen mit heißen „Hotpants“ von den Männern anders angemacht werden, als Frauen, mit knielange Rock und bedeckte Schultern, ist dann verständlich.
    Aufdringliche Menschen habe ich bei meinen Türkeiaufenthalten nie erlebt, wohl aber interessierte und hilfsbereite Menschen.
    Viel Spaß in Istanbul und überall auf der Welt.

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Annette 🙂 Vielen Dank für dein langes und ausführliches Kommentar. Ich kann jedem deiner Worte recht geben. Wie ich bereits meinte, Nachts werde ich in Istanbul nicht alleine unterwegs sein, auch in Berlin und dem Rest der Welt tue ich das selten, weil ungerne. Und ich stimme dir völlig zu: man muss sich immer mit den kulturellen Gegebenheiten auseinandersetzen. Anders erlebt man das Land auch nicht, finde ich. Liebe Grüße 🙂

  6. Hallo Iza,
    meine Sandkasten-Freundin ist für einige Jahre nach Istanbul ausgewandert und hat dort sogar als Missionarin gearbeitet. Sie hat dort nur gute Erfahrungen gemacht. Ich denke es gibt oft Vorurteile. Istanbul soll eine vom Herzen sehr offene und moderne Stadt sein, wo Kopftücher und Co. regelrecht abgelehnt werden. Also ich denke die Stadt ist mit Sicherheit eine Entdeckung wert.
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de/

  7. Ich finde auch, dass man sich immer sein eigenes Bild machen sollte, denn meist ist es gar nicht so, wie es in Berichten bzw. allgemein im Internet steht..

    Liebe Grüße <3

  8. Melenie sagt: Antworten

    Deine Beiträge faszinieren mich immer wieder auf das Neue. Gerade heute sollte man die Klischees hinter sich lassen und sich genauestens informieren oder auch mal interessieren, bevor man etwas sagt. Es mag vielleicht überall auf der Welt Risiken geben dorthin zu reisen, aber wenn wir so pingelig wären, dann müssten wir uns eher zu Hause verschanzen. Lebe dein Leben und habe keine Grenzen. 🙂
    http://lonclaire.blogspot.de

  9. Linda sagt: Antworten

    Spannender Bericht 🙂 Ich finde es echt wichtig, die Dinge zu hinterfragen und sich nicht von irgendwelchen total verallgemeinernden Vorurteilen leiten zu lassen!

    Hab ne tolle Woche 🙂
    Liebst, Linda

  10. Ich finde deinen Post gut. Es kommt auch immer auf das Land und die Region an. Instanbul finde ich zum Beispiel gar nicht so schlimm alleine. In Ägypten wurde ich aber kaum beachtet, wenn ich etwas haben wollte und wenn mein Freund dabei war, wurde ich ganz ignoriert. Aber ich werde lieber ignoriert, als angefasst.

    1. Izabela sagt: Antworten

      Das stimmt auf jeden Fall. 🙂

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