Der Alltag als Aupair

 

Nun haben wir schon darüber gesprochen, wie du Aupair wirst und was du unbedingt vorher beachten solltest und ob du besser mit oder ohne Aupair-Agentur ins Ausland gehen solltest. Hier und hier kannst du das alles noch einmal in Ruhe nachlesen, wenn du magst. Heute möchte ich mich mit dem Alltag eines Aupairs befassen, denn ich denke, dass man zunächst eine andere Vorstellung davon hat, was Aupair dann eigentlich ist.

Was darf die Gastfamilie?

Zunächst muss gesagt werden, dass es sich hierbei um meine Wahrnehmung und meine Erfahrungen handelt. Die folgenden Worte beziehen sich eher auf Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter. Es kann auch sein, dass deine Gastfamilie ein paar andere Dinge von dir fordert. Grundsätzlich bist du „ein  Teil der Familie“, der die Eltern bei allen Tätigkeiten, die mit ihren Kindern zu tun haben unterstützt. Sie dürfen dich also die Wäsche der Kinder wachsen lassen, ihre eigene aber nicht! Auch bist du keine Putzfrau oder billige Arbeitskraft, die alles erledigen muss, was anfällt. Du unterstützt die Eltern aber bei leichten Hausarbeiten.

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Was sind typische Aupair-Tätigkeiten?

Wie bereits gesagt, bist du als Unterstützung der Eltern zu sehen. Viele holen sich ein Aupair ins Haus, weil sie Morgens schon früh zur Arbeit müssen und auch am Nachmittag sehr spät nach Hause kommen. Sie können sich also nicht um alles alleine kümmern und engagieren dich als „große Schwester“, die ihnen unter die Arme greift.

Viele Aupairs beginnen den Tag früh am Morgen bereits mit den Kindern, indem sie diese schulfertig machen, ihnen etwas zu Essen geben und sie zur Schule fahren bzw. zur Bushaltestelle begleiten. Dies ist für die meisten Aupairs der erste Schritt des Tages. Ich persönlich musste Morgens nichts mit den Kindern machen, habe dadurch aber auch den Tag ziemlich oft verschlafen.

Danach fallen häufig leichte Hausarbeiten an. Dazu zählen Tätigkeiten, wie Wäsche (der Kinder + deine! Nicht die der Eltern!) waschen und trocknen, Küche nach dem Chaos vom Morgen und Kinderzimmer aufräumen oder bügeln (ebenfalls nur die Dinge der Kinder + deine!). Viele Aupairs besuchen außerdem eine Sprachschule. Auch dafür sollte dir am Vormittag Zeit zur Verfügung gestellt werden, wenn du dies vorher mit deiner Gastfamilie besprochen hast.

 

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Am Nachmittag holst du die Kinder entweder direkt von der Schule/ vom Kindergarten ab oder wartest auf sie an der Bushaltestelle, an der sie ankommen. Das wird auch vorher mit den Eltern besprochen, denn viele Schulen stellen extra Schulbusse zur Verfügung. Wenn das der Fall ist, hast du im Normalfall länger Freizeit, weil du nicht direkt zur Schule fahren musst. Sollten die Kinder bereits in der Schule zu Mittag gegessen haben, musst du ihnen wahrscheinlich nur noch einen kleinen Snack bereitstellen. Ansonsten musst du (bevor du sie abholst) noch etwas zum Essen zubereiten. Danach geht’s ans Spielen und Hausaufgaben machen. Sollten deine Kinder noch an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen, musst du sie auch dort hinbringen.

Später bereitest du dann noch ein Abendessen vor, falls die Eltern bis dahin nicht zurück sein sollten oder dies trotzdem von dir erwarten. Irgendwo um den Abend herum geht es für die Kinder dann ans Baden. Auch hierbei begleitest du die Kleinen. Wenn die Eltern das nicht selbst tun wollen, bringst du die Kids auch ins Bett und liest ihnen vielleicht noch eine Geschichte vor. Danach fallen häufig noch Dinge, wie die Küche nach dem Mittagessen aufräumen, Schultasche für den nächsten Tag packen oder Schulkleidung bereitlegen an. Denn in den meisten Ländern gilt eine Uniformpflicht!

Du siehst also, dass du die Kinder über den Tag hinweg begleitest. So gesehen bist du nicht nur die große Schwester, sondern irgendwo auch Ersatzmutti, bei der die Kleinen sich (hoffentlich) wohlfühlen.

Welche Probleme können auftreten?

Das größte Problem, was leider auch sehr häufig auftritt, ist, dass man den Erwartungen der Eltern nicht gerecht wird. Viele Familien klären vor Antritt der Tätigkeit nicht genau ab, welche Aufgabenfelder du als Aupair „abarbeiten“ musst und welche Aufgaben definitiv von dir erledigt werden sollen. Aber sie erwarten, dass du auch denen nachgehst. So entstehen häufig Konflikte, weil das Aupair sich ausgenutzt fühlt und die Familie ihr Gastmädchen als „nicht ausreichend und nicht zufriedenstellend“ empfindet. Mein Tipp an dich: kläre vorher ab, was sie von dir erwarten. Und denkt dir noch einmal 10% auf das Gesagte drauf, dann wirst du auch nicht enttäuscht sein. Wenn du das erste Aupair bist, sollte dir aber klar sein, dass die Eltern auch erst einmal testen müssen, wie das Ganze überhaupt funktioniert.

Ein weiteres Problem, welches sich oft zeigt, ist, dass die Eltern vergessen, dass die meisten Aupairs gerade erst vor kurzem volljährig geworden sind und mit dem Aupairdasein vielleicht sogar ihre ersten Auslandserfahrungen machen. Meine Gastfamilie empfand es als sehr positiv, dass ich „noch so jung“ war, weil ich damit einen ganz anderen Draht zu den Kids aufbauen konnte als sie selbst. Allerdings war ihnen auch klar, dass ich nicht wie eine 40-jährige 2-fache Mutter putzen, kochen oder backen kann. Das ist vielen Gastfamilien leider nicht bewusst. Mein Tipp: reden, reden, reden! Genauso wie beim ersten Problem, solltest du VORHER abklären, was die Familie von dir erwartet. Meistens kann man damit schon 2/3 der Probleme aus dem Weg räumen.

Das dritte Problem sind die Kinder. Ein Aupair arbeitet im Normalfall 5-6 Mal die Woche je 6-10 Stunden. Den Rest der Zeit hast du eigentlich frei. Es ist schwer, kleinen Kindern zu erklären, dass ihre große Schwester an einem Sonntag nicht mit ihnen spielen oder essen will. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Eltern, ihren Kleinen klarzumachen, dass sie dich in deiner freien Zeit nicht stören sollen. Natürlich heißt es nicht, dass du am Wochenende überhaupt nichts mit der Familie unternehmen darfst. ABER diese Entscheidung sollte bei DIR liegen (dürfen). Viele Eltern respektieren das allerdings nicht und plötzlich siehst du dich an einem Samstag Morgen verkatert mit den Kindern spielen. Das ist eben der Nachteil vom auf der Arbeit wohnen..

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Der Tagesablauf in Zahlen

Nun aber Mal die harten Fakten: wann arbeitet ein Aupair? Das hier ist eine beispielhafte Darstellung deines Tages unter der Woche. Die Zeiten müssen nicht der Realität entsprechen, sondern dienen lediglich zur Veranschaulichung.

 7:00 Uhr  Kinder wecken, Frühstücken, zur Schule bringen
 8:00 Uhr  leichte Hausarbeiten erledigen
 9:00- 14:30 Uhr  Freizeit, Sprachschule
 14:30 Uhr  Mittagessen/ Snack vorbereiten, Kinder abholen
 15:00- 19:30 Uhr  Hausaufgaben machen und spielen
 19:30 Uhr  Kinder baden
 20:00 Uhr  zu Abend essen
 21:00 Uhr  Kinder ins Bett bringen, Küche noch einmal aufräumen
 21:30 Uhr  Schuluniformen vorbereiten + Schultasche packen
 danach  Freizeit

Insgesamt arbeitet das Aupair in meinem Beispielfall 9 Stunden am Tag. In den meisten Ländern, kommen die Kinder aber viel später aus der Schule. Bei meiner Gastfamilie musste ich die Kids immer erst um 17:00 Uhr abholen und vorher einen kleinen Snack vorbereiten. Also keine Panik 🙂

 

Hast du schon einmal als Aupair gearbeitet? Wie war dein Tagesablauf?

Könntest du dir vorstellen, Aupair zu werden?

31 Kommentare

  1. instylequeen sagt: Antworten

    Hallo Iza,
    desto älter ich werde, desto mehr bereue ich mir nicht ein Jahr Auszeit / bzw. einen Auslandaufenthalt gegönnt zu haben. Leider kann ich dieses durch laufende kosten wie Miete etc. nicht mehr 🙁 Es ist spannend zu lesen, was ein Au Pair alles leisten darf. Ich hatte auch immer ein wenig Sorge an eine Familie zu geraten, die unfreundlich und dann noch eine bessere Putzkraft sucht. Ich hoffe, dass dir es nicht so ergehen wird.
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de/

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo 🙂 Danke für das Kommentar 🙂 Ich war bereits vor 3 Jahren Aupair und habe auch einmal meine Familie gewechselt. Das ist aber leider „normal“, wie ich in anderen Posts schon meinte, da Gegensätze sehr häufig auf einander treffen :/ Aber ein Wechsel ist leicht 🙂

  2. Das ist wirklich sehr interessant, ich hatte auch mal vor als Au Pair in Ausland zu gehen 😉
    <3 Anna
    http://live-love-laugh-blogg.blogspot.de/

  3. Hi,

    ich finde das klasse, wie ausführlich du alles schilderst. So bekommt man einen super Überblick!!

    Liebe Grüße

    Bettina

    1. Izabela sagt: Antworten

      Vielen Dank 🙂

  4. wow so detailliert hätte das keine agentur schreiben können, auch wenn ich finde, dass du mit deiner wahrnehmung ganz richtig liegst 🙂

    lg
    Nessa

    1. Izabela sagt: Antworten

      Danke 🙂

  5. Sehr schöner Bericht! So erfährt man mal wie der Alltag eines Aupairs ausschaut und dieser kommt mir ziemlich aufregend vor wenn man Kinder gern hat 🙂
    Gruss Sari ♡

    1. Izabela sagt: Antworten

      Das auf jeden Fall. Mit Kindern wird es ja eigentlich nie langweilig 🙂

  6. Super Post, für einige wahrscheinlich sehr spanned 🙂
    Lieben Gruß

  7. Sehr interessanter Erfahrungsbericht, ich wollte auch mal ein Jahr als Au Pair machen, hab dann aber festgestellt das mich Kinder nach na Zeit nerven 😀
    Liebst Chichi 🙂
    Schau doch mal bei mir vorbei, würde mich freuen 🙂
    http://urban-and-country.blogspot.de/

  8. Ein wirklich sehr informativer Beitrag. Ich wusste gar nicht, dass man zum Beispiel die Sachen mit der Wäsche und dem Aufräumen so streng teilen muss! Es ist bestimmt nicht einfach, die ganzen Dinge mit den Eltern vorher abzuklären, vorallem wenn man die Sprache noch nicht so gut versteht. Aber deine Familie hat sich wirklich nett und verständnisvoll angehört, da hattest du wahrscheinlich richtig Glück 🙂
    Liebst Katja
    http://amoureuxee.blogspot.de/

    1. Izabela sagt: Antworten

      Naja, viele trennen es eben nicht und viele Aupairs sind sich dessen nicht einmal bewusst, dass sie dieses Stück mehr Arbeit nicht machen müssen.. deshalb hab ich’s gesagt 🙂

  9. Tolle Übersicht!
    Klingt richtig interessant.

    Mit einem richtigen Arbeitsleben kann man das aber dennoch nicht vergleichen. Trotz 9 Stunden.

  10. Ich habe lange darüber nachgedacht ein Jahr als Au Pair zu machen. Was mich dann davon abgehalten hat war wohl, dass ich endlich einmal selbstständig sein wollte und alleine leben wollte. Also ohne Familie und jemanden der mir irgendwelche Regeln vorschreibt.
    Trotzdem spiele ich immer wieder mal mit dem Gedanken es eines tages zu machen.
    Dein Post war auf jeden Fall total informativ – gerne mehr davon! 🙂

    1. Izabela sagt: Antworten

      Vielen Dank 🙂

  11. Ganz toller Post, das ist sicher super hilfreich für all diejenigen, die einen Au Pair-Aufenthalt planen! 🙂
    Ich habe selbst zwei Kinder und könnte manchmal auch eine „große Schwester“ für meine beiden Jungs gebrauchen. 😛
    Herzliche Grüße,
    Marie <3

    1. Izabela sagt: Antworten

      Ich muss ehrlich sagen, dass, wenn ich das Geld (und Kinder haha) hätte, ich mir auch ein Aupair holen würde – allein der Sprache wegen (die meisten Aupairs sind dazu verpflichtet mit den Gastkindern eine Fremdsprache zu üben. 🙂

  12. Super Beitrag über ein Thema mit dem ich mich sonst nicht befasst habe. Dachte nicht das man so viel zu tun hat. Der Reiz ist natürlich die Sprachreise und das andere Land in dem man Leben kann. Trotzdem könnt ich mir nicht vorstellen für längere Zeit bei einer fremden Familie zu leben. Aber spannend das du das gewagt hast.

    LG
    Lamia
    http://lamiasfashiondiary.blogspot.de/

  13. Lisa sagt: Antworten

    Wow! Das ist wirklich ein toller Post. Solche gibt es leider selten, aber deiner gefällt mir sehr gut! Ich wollte schon immer ein Aupair sein, aber habe es leider nie gemacht. Ich wünsche dir noch viel Glück mit allem!

    LG Lisa ♥

    1. Izabela sagt: Antworten

      Vielen Dank für die lieben Worte und das Kompliment 🙂

  14. Reka sagt: Antworten

    Toller Post! Finde Erfahrungen von Au-Pairs immer cool.

    lg Reka
    http://ilfaitbeau89.blogspot.de/

  15. Lisa sagt: Antworten

    Ein sehr sehr Interessanter Post! Ich habe mir oft überlegt, ob das was für mich wäre, letztendlich habe ich früh angefangen zu studieren und das wieder abgebrochen. Im Nachhinein bereue Ichs ein bisschen. Dass ich das nicht gemacht hab :/ liebe Grüße http://www.lsbld.blogspot.com

  16. Debbie sagt: Antworten

    Huhu, das ist ja echt interessant, ist wohl echt ein full-time-job und nicht zu unterschätzen. Das Puppenfotot finde ich etwas grausam 😀

    Liebe Grüße

    http://blushandpowder.blogspot.de/

  17. Sophia sagt: Antworten

    Hört sich interessant an aber ich glaube, dass wäre nichts für mich.

    http://www.sophias-fashion.de

  18. Sehr interessanter Post, lese ich gerne 🙂 Mehr davon!

  19. Sarah sagt: Antworten

    Echt super interessaner Post! Ich war noch nie Aupair und werde das jetzt auch nicht mehr machen, aber ich finde das hört sich immer super an. Auch wenn es natürlich Probleme geben kann. Jetzt fühl ich mich dazu aber schon etwas zu „alt“ und werde lieber so ein bisschen umherreisen, anstatt in eine Familie zu gehen 🙂

    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag <3
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

  20. Ein toller ausführlicher Post =) Ich bin zwar inzwischen wohl schon aus dem Aupair-Alter raus, habe ihn aber trotzdem interessiert gelesen =)

  21. Sehr interessanter Post, besonders da ich selbst ins Ausland gehen möchte, allerdings nicht als AuPair 🙂
    Aber schön mal so einen kurzen Eindruck zu bekommen.
    Liebst,
    Farina

  22. Hey 🙂
    Vielen Dank für den tollen Post. Ich mache dieses Jahr mein Abi & spiele auch mit dem Gedanken als Au Pair ins Ausland zu gehen!
    Du gibst einen wirklich sehr tollen Einblick in das Leben eines Au Pairs 🙂
    Liebe grüße,
    Becki von http://foundmylovee.blogspot.com

  23. Wow!<3 So ein schöner und vor allem interessanter Post! Hat mir richtig gut gefallen, wirklich! Dein Schreibstil ist sehr angenehm! Es hört sich nach viel Arbeit an, aber wenn man sich gut mit seiner Familie und den Kindern versteht, kann ich mir es sehr schön vorstellen! Ich könnte es mir durchaus vorstellen für einen begrenzten Zeitraum mal als Aupair zu arbeiten!:)

    Alles Liebe
    Hanna von voll verpinselt

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