Der Druck der Gesellschaft oder wie du dein Leben lebst.

Bereits im Kindesalter Wurzeln ziehen oder Violine spielen können. 2x wöchentlich zum Sport, zum Chinesischunterricht oder Förderkurs für Hochbegabte. So sieht die Kindheit heutzutage aus.

Ich habe damals in der ersten Klasse bis 12 Uhr Unterricht gehabt, danach kurz Hausarbeiten gemacht und bin später spielen gegangen. Zu dieser Zeit konnte man auch studieren, wie lange man wollte. Man hat den Menschen die Zeit gelassen und ihnen keinen Druck gemacht.

Heutzutage muss alles schnell gehen: Abitur in 12 Jahren, Bachelor in 3, Master in 2 Jahren. Zwischendurch am Besten noch ein paar Praktika, um nach dem Studium direkt ins Arbeitsleben einsteigen zu können. Denn ohne mehrjährige Berufserfahrung nimmt dich heutzutage niemand mehr. Aber wieso muss man diesen Druck auf die Gesellschaft, auf sich selbst ausüben?

Viele Menschen haben Angst, Lücken im Lebenslauf beim späteren Arbeitgeber zu erklären. Schon in der Schule hört man, dass das das Aus für die Karriere sein kann. Die Lehrerinnen und Lehrer raten einem, direkt nach der Schule eine Ausbildung zu machen oder studieren zu gehen. Bereits in der 8./ 9. Klasse soll man wissen, was man werden will, um seine Schwerpunkt im weiteren Verlauf der Schullaufbahn dementsprechend zu gestalten. Doch, seien wir Mal ehrlich: wusstest du bereits in so jungem Alter, was du später beruflich machen willst?

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Wieso lässt man Kinder nicht einfach Kinder sein? Wieso zwingt man ihnen stattdessen den Alltag eines Erwachsenen auf? Ja, ich weiß, dass es der gesellschaftliche Druck ist, der ständige Wettbewerb und die Konkurrenz. Doch wünschen wir unseren Kindern nicht dieselbe, unbeschwerte Kindheit wie wir sie hatten? Muss sich dann vielleicht grundsätzlich etwas in unserer Denkweise ändern? Ich denke schon.

Ich wusste relativ früh, dass ich gerne “etwas mit Medien“, etwas in die journalistische Richtung machen möchte. Aber es gibt so viele verschiedene Studiengänge. Deshalb bin ich trotz einer Anfangsidee nicht direkt nach der Schule studieren gegangen. Stattdessen habe ich meine Sprachkenntnisse als Aupair in Spanien verbessert.

Schon damals konnten viele Menschen in meinem Umfeld nicht nachvollziehen, wie ich so etwas machen konnte. Ich würde damit meine Zukunft gefährden. Sicherlich würde ich später viel älter sein, als meine Kommilitonen im gleichen Semester.

Wieso Auslandserfahrungen sich auch positiv auf dem Lebenslauf machen können:

Doch bereue ich es, ins Ausland gegangen zu sein? Nein, ich würde es immer wieder tun. Warum?

1)Ich habe eine weitere Sprache gelernt.
In meinem Studium muss ich zwei Sprachen auf muttersprachlichem Niveau sprechen können. Die meisten Kommilitonen können nur Englisch. Dadurch haben sie viel mehr Stress als ich im Studium. Das ist wohl ein Vorteil, oder?

2) Es wirkt gut auf dem Lebenslauf.
Ja, glaub mir, es ist keine Lücke im Lebenslauf, wenn du sie begründen kannst. Kein Chef wird dich verurteilen, wenn du Berufserfahrung im Ausland gesammelt hast. Im Gegenteil: es wirkt als wärst du kommunikativ, selbstbewusst und mit anderen Kulturen vertraut. Gerade bei den immer internationaleren Märkten und Jobs sind diese Eigenschaften wichtig.

3) Die Erfahrung kann dir keiner nehmen
Du wirst später definitiv etwas zu erzählen haben. Sicherlich findest du es auch total interessant, Leuten, die im Ausland waren zuzuhören, oder? Sie haben immer so viele interessante Dinge zu erzählen. Diese Person könntest du sein.

Ich könnte noch viele weitere Dinge benennen. Hier findest du übrigens weitere Gründe, wieso du unbedingt reisen solltest.

man bereut nur das versaeumte nicht das erlebte unsettled destination

Hier kannst du nachlesen, wie das Foto entstanden ist und was es für mich und dich bedeutet.

Trau dich!

Also trau auch du dich, dein Leben zu leben. Denn, wenn du es nicht tust, wer soll es ansonsten für dich machen? Alles im Leben hat einen Sinn. Alles, was geschieht, macht dich zu der Person, die du bist. Wenn du dich eher danach sehnst, schnell mit der Ausbildung fertig zu werden und arbeiten zu gehen, dann tu das. Wenn du aber lieber erst einmal die Welt sehen, Geld verdienen oder anderen Menschen helfen möchtest, dann tu auch das. Ich habe bisher noch nie erlebt, dass jemand mich wegen meiner Pause nach der Schule schlechter behandelt hat. Im Gegenteil: alle waren interessiert und wollten, dass ich meine Erfahrungen mit ihnen teile. Also, leb das Leben, das du leben willst.

Bist du nach der Schule direkt in die Ausbildung gegangen? Oder hast du es vor, wenn du die Schule beendest?

8 Kommentare

  1. Ich finde deinen Blog wirklich sehr interessant, du hast gute Gedanken und schaffst es diese auch perfekt in denen Posts auszudrücken.
    Weiter so! 🙂
    Liebe Grüße
    Nina

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Nina,
      vielen Dank für ein Kompliment. 🙂
      Liebe Grüße!

  2. 🙂 sehr schöner Post, ich teile deine Ansicht: Kinder müssen heutzutage immer früher erwachsen werden und ganz genau (!) ihre Zukunft planen. Ich kenne eine, die ihrem Kind (12?) täglich unter die Nase reibt, dass sie sich später dort und dort bewerben soll. Usw… traurig

    Lg

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Marisa,
      ja das habe ich auch bei meinen Gastkindern in der Zeit als Aupair gesehen. Das, was am Anfang des Textes von Kindern heutzutage verlangt wird, ist nur 1/3 von dem, was die Kids dort leisten mussten. Wirklich traurig.
      Liebe Grüße 🙂

  3. Toller Post!
    Ich bekomme im der letzten Zeit immer wieder mit, dass Leute aus meinem Umfeld merken, dass das Studium oder die aktuelle Ausbildung nichts für sie ist und auch Angst haben, dass ein angefangenes Studium oder die Ausbildung umsonst gemacht wurden und somit die Chancen bei einer neuen Bewerbung fallen.
    So sieht man auch ganz gut, dass sich der Mensch, vor allem in den ersten paar Jahren, noch weiter entwickelt und sich andere Interessen bemerkbar machen, auf die man zuerst nicht geachtet hat, die einem nach und nach aber immer bewusster werden und vielleicht gar nichts mit dem aktuellen Studium oder der Ausbildung zu tun haben.

    Heute muss alles schnell gehen und jeder muss in allem der beste sein und auch kleinere Kinder werden teilweise so von ihren Eltern gelenkt, dass sie sich einfach nicht selbst entfalten können.
    Früher habe ich geheult, wenn meine Lieblingshose beim Klettern kaputt gegangen ist, heute heulen die 6jährigen Kinder, dass ihr iPhone runter gefallen ist.

    Schade,dass Kinder einfach nicht mehr Kinder sein können!

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Mella 🙂
      Der Vergleich mit der Hose passt perfekt. Die Prioritäten heutzutage haben sich eine andere Richtung bewegt. Aber, wenn man von den Kindern verlangt, dass sie so früh wie möglich „erwachsen“ werden, dann sollte es einen irgendwo auch nicht wundern, dass iPhones dann vor Spielplatz kommen, irgendwie. Oder?

      Wenn man mit seiner aktuellen Ausbildung unzufrieden ist, sollte man definitiv schauen, ob es etwas anderes gibt, dass besser zu einem passt. Aber, es gibt, glaube ich, keine Ausbildung und kein Studium, das einem zu 100% zusagt. Wie in der Schule gibt es auch hier Fächer, die einem nicht so gefallen.

      Liebe Grüße 🙂

  4. Ich finde den ganzen Druck auch sehr schlimm. Auch, dass viele Kinder den amerikanischem Vorbild folgen und von einem Kurs in den naechsten geschleift werden. Ich sehe das genauso wie du. Lasst Kinder einfach Kinder sein. Wie du hatte ich in meinen ersten drei Schuljahren eine sehr kurze Unterrichtszeit und nach den Hausaufgaben ging es zum Spielen bis die Eltern Abends nach Hause kamen.

    Ich wusste bereits seit der 8. Klasse, dass ich Journalistin werden moechte und habe dementsprechend meinen Lebenslauf gestaltet. Aber: zum Job gehoert leider immer Glueck und auch das bekannte Vitamin B dazu. Selbst der talentierteste Mensch mit super Master Note und Tonnen an Erfahrung kann sich vor der heutigen Gesellschaft nicht schuetzen.

    Caz | Style Lingua

    1. Izabela sagt: Antworten

      Das stimmt. Der Lebenslauf kann noch so gut und perfekt sein, am Ende gehört Glück eben auch dazu. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. 🙂

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