4 Gründe, wieso Sprachenlernen wichtig ist. Wichtiger als du glaubst. #Kulturschock

Nun bin ich schon mehr als eine Woche in Istanbul. Am letzten Deinstag ging es für mich los, in mein Abenteuer Erasmus. Auf Instagram konntest du meine Reise ein wenig verfolgen. Allerdings hatte ich, um ehrlich  zu sein, nicht wirklich viel Zeit, um meine Erlebnisse mit dir zu teilen. Denn ich war auf der Suche nach einer geeigneten WG für mich. Die ersten Tage verbrachte ich dafür bei einem Couchsufer bzw. bei Starbucks. Hier lernte ich auch die spezielle „Kultur“ dieses Unternehmens kennen. Darüber könnte ich jetzt ein Buch schreiben. 😉

Der erste Kulturschock

Am Dienstagnachmittag kam ich also am Flughafen Atatürk in Istanbul an. Als ich das letzte Mal diese wundervolle Stadt besucht habe, bin ich mit einem extra dafür bereit gestellten Bus in die Innenstadt gefahren. Dieses Mal wollte ich es mit der Bahn versuchen, da sie an meinem Zielort hält. Alles war auch wirklich gut ausgeschildert, sodass das Bahnfinden kein Problem darstellte.

In fast allen Großstädten dieser Welt betritt man die Bahn über ein spezielles System, das schaut, ob man einen gültigen Fahrausweis hat. Leider wusste ich nicht, dass die Ticketmaschienen nur Türkische Lira akzeptieren. Und so musste ich direkt  zu Beginn kostenpflichtig Geld abheben, da die DKB und ich bis jetzt noch keinen guten Start hingelegt haben.

turkish airlines erfahrung flug himmel flieger flight travel blog reise blog erasmus istanbulNachdem ich endlich in der richtigen Bahn war, wurde ich gleich auf Anhieb von einem Einheimischen nach dem Weg gefragt. Dies ist mir bisher schon ein paar Mal passiert – scheinbar halten mich die Einheimischen für „eine von ihnen“. Ich setzte mich also mit meinem Koffer in einen 4er Platz und hatte die Hoffnung, dass sich nun keiner mehr dort hinsetzt. Doch hier in Istanbul funktioniert das etwas anders: bevor der Zug überhaupt losfuhr, saß schon ein Mann neben mir, keine zwei Minuten später setzte sich ein weiterer gebenüber. Als ob das nicht genug war, stieg an der nächsten Station eine Frau dazu, die auch der Meinung war, dass für uns alle noch Platz war.

Nun waren also ich, mein Koffer, die zwei Männer und eine Frau im 4er-Sitz eingequetscht. Ich entschied mich dazu, zu stehen. Allerdings bot der eine Mann mir einfach an, mit ihm den Platz zu tauschen, da er sah, wie überladen ich war. So konnte mein Koffer also neben mir stehen und wir alle hatten mehr Beinfreiheit. Das klingt vielleicht wie eine lustige Geschichte. Doch an dieser Stelle wurde mir bewusst, dass hier zwei verschiedene Kulturen aufeinander prallen.

In Deutschland schätzt man es, wenn Unkannte einen gewissen Abstand zu einem hegen. In der Türkei stört diese Nähe niemanden. Außer mich in diesem Moment in der Bahn. Was für sie etwas Selbstverständliches, etwas Alltägliches war, überforderte mich in dieser Situation. Denn ich war vollbebackt bis oben hin, genervt von den Ticketmaschienen und meinen fehlenden Sprachkenntnissen sowie eh schon viel zu spät dran. Ich erlebte in diesem Moment also meinen ersten Kulturschock in Istanbul. Aber auch in der Heimat kann man daran leiden. Hier habe ich bereits darüber berichtet.

Mein neues zu Hause auf Zeit

Als ich am Dienstag ankam hatte ich bereits für den nächsten Tag Treffen zur Wohnungsbesichtigung vereinbart. Ich habe recht schnell eine Bleibe gefunden und wohne aktuell mit wirklich sehr tollen Menschen zusammen. Die Wohnung ist etwas weiter weg vom Bahnhof, aber immernoch ziemlich zentral: ich brauche überall etwa 15 Minuten hin. Solltest du einmal nach Istanbul ziehen, ist es das Einfachste und Sicherste zunächst einmal über Airbnb oder Couchsurfing ein Dach über dem Kopf zu suchen. Anschließend kannst du dich in Ruhe nach der passenden Wohnung für dich umschauen.

besiktas reiseblog unsettled destination istanbul tipp sprachen lernen kulturschock metro travelBewusst habe ich mich jedoch dagegen entschieden, in den typischen Touristengegenden wie in Taksimnähe zu wohnen, da ich gerne das türkische Leben kennenlernen möchte. Wie bereits in der Bahn vom Bahnhof werde ich auch hier ständig auf Türkisch nach dem Weg gefragt. Ich weiß nicht, ob ich einfach nur vertrauenswürdig oder wie eine Einheimische aussehe. Jedenfalls tut es mir jedes Mal, wenn ich gefragt werde, Leid, dass ich niemandem antworten kann. Noch nie bin ich in ein Land gezogen, dessen Sprache ich nicht spreche. Normalerweise konnte ich mich bestens verständigen und mich ohne Probleme ausdrücken.

Wer schon einmal mit den Minibussen in der Türkei gefahren ist, weiß wie sie funktionieren. Man stellt sich an eine bestimmte Stelle, wartet bis der richtige Kleinbus vorbei fährt, steigt ein und gibt den Fahrer etwa 1,75TL in Istanbul. Währenddessen sagt man an, wo man hin möchte. Meine Station ansagen, ja, das kann ich. Aber sobald Nachfragen kommen, kann ich nicht mehr mit den Fahrern kommunizieren. Ich glaube, dass ich danach gefragt wurde, wo ich da genau aussteigen möchte. Sicher bin ich mir aber nicht. Ich merke immer, dass die Leute nicht verstehen, was ich von ihnen möchte. Andersherum verstehe ich sie auch nicht und wirke bestimmt total unhöflich, wenn ich nichts außer „sorry, i don’t speak Turkish“ antworte.

Warum es wichtig ist, Sprachen zu lernen.

Viele Leute fragen mich, wieso ich überhaupt so viele Sprachen lerne. „Mit Englisch kommt dann sowieso überall klar.“, höre ich oft. Ich lerne Sprachen, weil es mir Spaß macht. Ich liebe es, verschiedene Kulturen kennenzulernen. Und dazu zählt nun einmal auch die Landessprache. Nach meinem Auslandssemester möchte ich Türkisch wenigstens auf Grundstufenniveau beherrschen. Aber nicht nur das Interesse an anderen Sprachen und Nationen leitet mich dazu, meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Wie ich hier in meinem nicht-touristischen Bezirk merke, kommt man eben nicht überall mit Englisch weiter.

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1. Respekt

Ich finde, dass man sich an die Kultur eines Landes anpassen muss, in das man reist. Wenn es irgendwo normal ist, sich an einer Haltestelle hinten anzustellen, tust du es ja schließlich auch. Respektiere die Sprache, die Kultur und die Gewohnheiten eines Landes.

2. Lass dich nicht verarschen!

Vor allem in den südlichen Ländern, wirst du oft über den Tisch gezogen, wenn der Kellner oder Verkäufer sieht, dass du die Landessprache nicht sprichst. Sobald du aber mit ein paar Sprachkenntnissen glänzen kannst, machst du dich sofort beliebter. Also, lerne die Landessprache, um fair behandelt zu werden!

3. In Notsituationen weiterkommen

Viele (deutsche) Touristen gehen davon aus, dass man mit Deutsch und Englisch überall auskommt und verstanden wird. Jetzt stell‘ dir aber einmal vor, dass du Mitten im Nirgendwo in Chile stehst und plötzlich Hilfe benötigst. Ich denke nicht, dass du da mit diesen beiden Sprache Erfolg haben wirst. Besser wäre es, jemandem auf Spanisch zu erklären, was einem fehlt. Sprachkenntnisse können also Leben retten.

4. Berufsperspektiven öffnen

Dass man Englisch spricht, wird heutzutage in eigentlich jedem Job vorrausgesetzt. Es ist also nichts Besonderes mehr, sondern eher eine Verpflichtung, diese Sprache gut zu beherrschen. Auch Spanisch und Französisch sind relativ weit verbreitet. Auffallen wird dein Lebenslauf aber, wenn du mit einem Land wie der Türkei nichts am Hut hast, diese Sprache aber relativ gut sprichst. Sprachen öffnen einem Berufsperspektiven und -chancen.

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Fallen dir noch mehr Gründe ein, wieso du eine Sprache lernen solltest?

 

 

4 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag, stimme dir da in allen Punkten zu! Ich liebe es auch Sprachen zu lernen, auch wenns mal gut und mal weniger gut klappt aber immerhin ein paar Wörter sollte man doch lernen oder versuchen sich zu merken. Am wichtigstens finde ich immer Dankeschön und Guten Tag, aber auch Zahlen sind mega nützlich, gerade beim verhandeln! Mein Freund und ich waren gerade erst in Indonesien und dort hab ich auch immer mit zum shoppen genommen weil er einfach die Zahlen kann 😀 ich habs leider nicht so damit, aber versuche immer mein Bestes. Ich wünsche dir für dein Erasmus Jahr alles gute und viele schöne Erfahrungen und Erlebnisse 🙂 freue mich schon mehr darüber zu erfahren!

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo liebe Jasmin, danke für das Teilen deiner Gedanken mit uns! Auf jeden Fall sind das die wichtigsten Dinge, die man können sollte. Es spricht nun einmal nicht jeder Englisch. Und vor allem bei Verhandlungen kann einem das sehr nützlich werden, da hast du recht. Vielen Lieben Dank und liebe Grüße!

  2. Hallo Izabela,

    das Gefühl für Nähe und Abstand ist in den Kulturen unterschiedlich. In den USA wird z.B. sehr großer Abstand gehalten und Amerikaner entschuldigen sich im Supermarkt schon von Weitem, wenn sie an dir vorbei gehen. In anderen Ländern ist der Mindestabstand dichter z.B. in irischen Pubs.

    Die Grundkenntnisse einer Sprache halte ich im Urlaub für eine gute Empfehlung. Ich war in Brasilien. Da kommst du mit Deutsch, Englisch, Französisch nicht weit. Ich konnte zwar mit dem Wörterbuch Fragen stellen, habe dann aber zum Teil die Antwort nicht verstanden. Hier wäre Brasilianisch oder Spanisch nützlich gewesen.

    Ich wünsche dir einen schönen Aufenthalt bei deinem Erasmus in Istanbul und viele positive Erfahrungen.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Renate,
      vielen Dank für deinen Beitrag zum Thema. Auch ein gutes Beispiel, dass man eben nicht überall mit Englisch weiterkommt. Ich hoffe, der Urlaub war trotzdem ein voller Erfolg!
      Liebe Grüße 🙂

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