INTERVIEW: aus der Sicht eines externen live-out Aupairs

Cornelia, kurz Conny, hat sich heute bereit erklärt, mir Frage und Antwort zu stehen. Es erwartet dich ein interessantes Interview, das Einblicke in das Leben als Aupair geben soll. Doch sie war nicht irgendein Aupair, nein. Ich glaube, ich kenne niemanden, der so lange in Madrid geblieben ist. Vielleicht liegt es auch daran, weil sie nach kurzer Zeit schon ausgezogen ist und sich selbstständig eine Wohnung gesucht hat. Conny und ich haben uns also in unserer Zeit als Aupair kennengelernt. Doch wer ist diese Frau, die fast 2 Jahre als Kindermädchen gearbeitet hat?

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Conny ist Jahrgang ’93 und zum jetzigen Zeitpunkt 22 Jahre alt. Sie ist zwar in Pforzheim geboren, wuchs aber in NRW auf, wo sie 2012 auch das Abitur machte. Schon während der Schulzeit war ihr klar, dass sie nach dem Abschluss nach Spanien ziehen möchte. Die Tätigkeit als Aupair bot sich an, weil es eine der günstigsten Formen ist, um ins Ausland zu gehen.

4 Monate lang arbeitete Conny als internes Aupair bis sie zu einer zweiten Familie wechselte. Anschließend entschied sie sich dazu, 9 Monate lang als externes Aupair zu arbeiten und in bester Lage mitten in der City von Madrid zu leben. Das war nicht immer einfach. Denn als Aupair, das mit der Familie zusammenlebt, muss man sich weder um die Miete noch um andere Ausgaben kümmern. Heute erzählt Conny dir, wie es ihr als live-out Aupair ergangen ist.

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Ein paar Links zum Einstieg:

Du möchtest Aupair werden? So geht’s & das sollte beachtet werden.

Muss ich mich an eine Aupair-Agentur wenden oder geht es auch ohne?

Wie der Alltag eines Aupairs aussieht, kannst du hier nachlesen.

10 Dinge, die ein Aupair nicht sagt. – Die Wahrheit über das Aupair-Dasein

Vom Heimkehren und vom Kulturschock in der eigenen Heimat.

Kommentarfrage: Magst du diese Art von Informationen oder interessierst du dich mehr für reine Reiseberichte?

 

LIVE-OUT AUPAIR? Was ist das?

Hier habe ich dir bereits erklärt, was Aupair überhaupt ist. Kurz gesagt: Aupairs sind im Normalfall junge Frauen, die nach ihrem Abitur oder während ihres Studiums gerne längere Zeit im Ausland leben möchten. Weil du nicht auf Kinder aufpassen kannst, wenn du noch gesetzlich selbst als solches durchgehst, musst du mindestens 18 und darfst höchstens 30 Jahre alt sein.

mit kindern spielen aupair reiseblogEs handelt sich um eine der wohl günstigsten Arten, ins Ausland zu kommen, da man (im Normalfall) weder für Miete noch für Lebensmittel finanziell aufkommen muss. Im Gegenzug kümmert man sich allerdings für ein kleines Taschengeld um die Kinder der Familie. Diese Summe variiert je nach Land und Tätigkeit, da nicht überall von den gleichen Lebenshaltungskosten ausgegangen werden kann. In vielen Ländern sind Aupairs außerdem für das Sprachenlernen zuständig und sprechen mit den Kindern nur auf Englisch oder Deutsch, damit diese ihre Kenntnisse verbessern.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass man mit der Familie zusammenwohnt und dafür eine Art Gegenleistung bringt. So sieht das klassische Verständnis vom Aupair-Dasein aus.

Doch Conny hat sich dazu entschieden, als externes, als live-out Aupair zu arbeiten. Im Grunde genommen hat sie, genauso wie alle internen Aupairs, auf Kinder aufgepasst. Der klare Vorteil ist, dass du wirklich frei hast, wenn du frei hast. Schließlich wohnst du nicht auf deiner Arbeit. Und niemand geht ja freiwillig am Samstag arbeiten, wenn eigentlich Wochenende ist. Ein Nachteil ist, dass man mehr Ausgaben hat, sich um eine Wohnung kümmern und auch allen anderen Pflichten nachkommen muss, die ein Haushalt mit sich bringt. Natürlich müssen die Gastfamilien dann auch ein wenig mehr bezahlen, aber das reicht oftmals für die hohen Mietpreise nicht wirklich aus.

 

Das Interview

1. Wieso wolltest du Aupair werden und weshalb ist es Spanien geworden?

Es bot sich an, um kostengünstig Spanisch zu lernen. Diese Sprache und besonders das Land Spanien interessierte mich sehr. Kenngelernt habe ich die Kultur teilweise durch den Unterricht in der Schule. Nun wollte ich es auch einmal selbst leben.

Außerdem kennen viele das sicherlich auch, dass man nach der Schulzeit in einer Orientierungsphase ist. Ich brauchte Abstand von meiner damaligen Situation. Eine neue Umgebung sollte her.

2. Zu Beginn warst du als reguläres Aupair tätig. Wie kam dann die Idee auf, sich selbstständig etwas zu suchen?

Ich hatte Probleme mit meiner Gastfamilie und meiner Agentur. Letztere wollte mir dabei nicht helfen, zu einer neuen Familie zu kommen. Der Grund dafür war, dass beide sich kannten und befreundet waren. Auch wollte meine damalige Gastfamilie nicht kooperieren und mir die nötigen Unterlagen zu einem Wechsel unterschreiben. Also musste ich mich quasi eigenständig auf die Suche machen.

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3. Welche Vorteile hat das „normale“ Aupair-Dasein? Welche Nachteile gibt es?

Die Vorteile sind ganz klar, dass du dir weder um Miete noch Strom Sorgen machen musst. Ein Nachteil ist vielleicht, dass du nicht zu 100% als Familienmitglied aufgenommen wirst, weil du ja eigentlich zum Arbeiten dort bist.

4. Welche Vor- und Nachteile siehst du als live-out Aupair?

Ein Nachteil ist, dass viele Familien einen trotzdem zum spontanen Babysitten rufen, obwohl man eigentlich nicht arbeiten muss. Vorteilhaft ist, dass man nicht mit der Familie wohnt und somit nach der Arbeit auch wirklich Freizeit hat. Als in internes Aupair wohnt man nämlich auf der Arbeit.

5. Wenn du noch einmal 18 wärst, würdest du wieder als Aupair nach Spanien gehen?

Ja, ich würde es noch einmal machen. Denn, wenn man schon einmal auf Kinder aufgepasst hat, weiß man so ungefähr worauf man sich einlässt. Zweitens kann man seine Sprachkenntnisse verbessern, wenn das die Gastfamilie auch zulässt. Außerdem wird man selbstständiger im Ausland.

6. Wenn ja, was würdest du anders machen?

Ich würde mir vielleicht im Voraus mehr Gedanken machen und nicht alles nach dem Motto „ach, wird schon“ auf mich nehmen. In meiner allerersten Gastfamilie hatte ein Kind ein Handicap. Da sollte man sich definitiv bewusst darüber werden, ob man damit klarkommt. Außerdem ist die Anzahl der Kinder auch eine wichtige Frage. Nicht jeder schafft es, sich mit mehr als zwei Kindern gleichzeitig zu beschäftigen.

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7. Worauf sollte man bei der Gastfamilien-Suche achten?

Wie beim vorherigen Punkt 6 schon erwähnt, sollte man sich definitiv darüber bewusst werden, was Aupairsein überhaupt bedeutet. Nicht nur die Anzahl der Kinder ist wichtig. Auch die Lage sollte eine Rolle spielen. Madrid ist nicht gleich Madrid. Viele Aupairs sind dann überrascht, wie weit außerhalb sie eigentlich wohnen, wenn sie vor Ort ankommen. Man sollte also nach der genauen Adresse fragen und bei Google Maps schauen, wo man genau wohnen wird.

Außerdem sollten die Arbeitszeiten klar geregelt sein, denn ansonsten fühlt man sich ständig dazu verpflichtet zu arbeiten. Vorteilhaft wäre es auch, wenn man nicht so häufig babysitten muss, denn die Eltern werden sowieso ab und ab spontan verlagen, dass man auf ihre Kinder aufpasst.

Externes Aupair würde ich den Leuten empfehlen, die mehr Freiheiten und Freiraum brauchen. Diejenigen, die mehr in die Familie eingeschlossen und den Alltag involviert werden möchten, sollten internes Aupair werden. Wenn du gerade mit der Schule fertig bist und das dein erster Auszug von zu Hause ist, würde ich dir raten, als internes Aupair zu starten. Du kannst dir ja immernoch eine andere Familie oder eine Wohnung suchen, wenn du vor Ort bist und dir deine Situation nicht gefällt. So habe ich es ja auch gemacht und würde es immer wieder tun.

Es ist auch nicht schlimm, bei mehreren Gastfamilien zu sein. So lernt man viele Facetten der Kultur und des Landes kennen. Jede Familie bringt einem etwas anderes für dein Leben bei.

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8. Beschreibe dein Aupair-Dasein in 3 Worten.

Intercultural. International. Independencia.

9. Dein schönstes Erlebnis als Aupair?

Also ein schönes Erlebnis – da muss ich tatsächlich länger nachdenken als beim schlechten Erlebnis. Drei Wochen bezahlten Urlaub war ziemlich nett (Conny lacht). Andererseits gab es auch schöne Momente mit den Familien wie, z.B., Ausflüge. Nach kurzer Zeit behandeln die Kinder einen wie Geschwister – und das sind wirklich schöne und liebevolle Erinnerungen.

10. Dein schrecklichstes Erlebnis?

Schrecklich war es, als die erste Gastfamilie mich nicht gehen lassen wollte, da sie zufrieden mit mir waren. Geldtechnisch würde ich dir auch raten, keine großen Ausgaben von der Gastfamilie zahlen zu lassen. Das ist so, als würdest du deinen Chef fragen, ob er deine Miete bezahlen kann.

11. Dein Tipp für ein zukünftiges Aupair?

Werde dir darüber bewusst, was Aupairsein heißt. Führe dir vor Augen, wie es mit mehr als zwei Kindern ist. Schau, ob Aupair wirklich etwas für dich ist. Geh nicht ganz gutgläubig und leichtsinnig an die Sache heran. Schließlich sollst du dich wirklich wohl fühlen bei der Familie und nicht immer mit Kompromissen leben müssen.

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7 Kommentare

  1. Ein interessantes Interview. Ich wusste gar nicht, dass es die Möglichkeit gibt als ein externe Aupair zu arbeiten. Ich könnte mir den Jab allerdings nicht vorstellen. Da müsste das Fernweh wirklich sehr groß sein. Aber ich finde es mutig und sicherlich eine Lebenserfahrung, wenn man der Typ Mensch dafür ist.
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de/

  2. Ich fand den Post, das Interview und überhaupt das ganze Thema total interessant. Ich wusste zum Beispiel auch nicht, dass es die Möglichkeit besteht als externes Aupair zu arbeiten.
    Liebst, Mona von Belle Mélange

    1. Izabela sagt: Antworten

      Es ist interessant zu hören, dass ihr nicht wusstet, dass diese Option gibt. Danke für deinen Kommentar 🙂

  3. Ein sehr interessanter Blog Beitrag, So ein Interview ist mal was anderes 🙂

    1. Izabela sagt: Antworten

      Danke für dein Feedback 🙂

  4. Tolles Interview. Ich finde das Thema echt spannend, weil ich das auch gerne gemacht hätte. Ich habe allerdings nach der Schule direkt eine Ausbildung angefangen.

    1. Izabela sagt: Antworten

      Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit ja doch noch irgendwann?! 🙂 Liebe Grüße!

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