Urlaub aus der Flasche | Vom Botellón in Spanien

WERBUNG | Alkohol ist häufig ein Tabuthema. Besonders als im Internet stehende Person mit Vorbildfunktion sollte man dies nicht thematisieren und sich klar davon distanzieren. So scheint es zumindest. Der folgende Beitrag handelt von genau diesem Thema. Ich möchte Alkoholkonsum weder kleiner reden, noch dazu animieren, Wein zu trinken. Lediglich möchte ich auf eine kulturelle Aktivität in Spanien hinweisen, die man auch ohne den Verzehr von Alkohol erleben kann: Botellón in Spanien.

 

wein urlaub aus der flasche botellon spanien trinken park unsettled destination reiseblogVor einigen Wochen wurde ich gefragt, ob ich nicht gerne bei der Blogparade „Urlaub aus der Flasche“ mitmachen möchte. Von der Idee, über ein Urlaubserlebnis zu berichten, war ich von Anfang an begeistert, weshalb ich sofort zusagte. Im Gegenzug sollte mir Wein zur Verfügung gestellt werden. Ich hätte niemals gedacht, dass es sich um eine solche Menge handelt, möchte mich aber an dieser Stelle bei den Verantwortlichen dafür bedanken. Auch mein Lieblingswein, die runde Flasche Müller-Thurgau war dabei. Besonders darüber habe ich mich gefreut. Danke!

Als ich während der Osterfeiertage zusammen mit meiner Familie in den Genuss dieses Getränkes kommen durfte, sprachen wir über meinen kürzlich beendeten Urlaub in Griechenland. Auch darüber wird demnächst ein Blogbeitrag folgen. Bis dahin kannst du dir gerne meine bereits veröffentlichen Fotomomente auf Instagram anschauen.

Da ich schon sehr häufig in Spanien war und irgendwie mein Herz an dieses Land verloren habe, vergleiche ich (leider) automatisch alle südlichen Länder Europas mit meinem „Lieblingsland“. So sprachen wir, in gemütlicher Runde, über die verschiedenen Mentalitäten und Eigenarten der jeweiligen Bevölkerung. In diesem Moment kam mir auch mein besonderes „Urlaub-aus-der-Flasche“-Erlebnis in den Sinn: Botellón in Spanien!

Was ist Botellón?

Ich denke, dass „Botellón“ den Meisten kein Begriff ist – außer sie haben sich mit Spanien auseinander gesetzt oder irgendwann einmal Spanisch gelernt. In unserer Region ist es eigentlich auch nicht möglich, so etwas entstehen zu lassen.

Als Botellón wird das Vortrinken im Freien und an öffentlichen Plätzen bezeichnet. Dieser Trend kam in den 90er Jahren auf und funktioniert folgendermaßen: besonders am Wochenende treffen sich junge Leute zur Abendstunde in der Öffentlichkeit (Park, Hafen, Strand etc.), um gemeinsam zu trinken und sich danach auf den Weg in eine Discothek zu machen. Die Getränke werden hierbei eigenständig gekauft und mitgebracht. Besonders in kleineren Städten macht dies Spaß, da sich jeder kennt und man sich wie auf einer großen Familienfeier fühlt.

Zum ersten Mal gehört habe ich von dieser Tradition in der siebten Klasse im Spanischunterricht. Schon längst in Vergessenheit geraten reiste ich dann in der neunten Klasse zu einer Gastfamilie nach Galizien im Norden Spaniens. Hier findet dieses Event wöchentlich am Hafen statt. Zunächst war es etwas komisch, dass man sich für den Club schick macht, um danach auf dem Boden zu sitzen und zu trinken. Wer mit heller Kleidung tanzen gehen wollte, musste Wohl oder Übel den ganzen Abend lang stehen.

Schnell merkte ich, was für eine gute Idee das ist. Schließlich gibt es einem die Möglichkeit mit vielen Leuten zusammen zu sein, die man vielleicht ansonsten nicht gesehen hätte. Man muss sich nicht darum kümmern, wo das Vortrinken stattfindet, wessen Wohnung groß genug ist und wen man einladen kann. Da bleibt einem mehr Zeit, sich über ein Partyoutfit Gedanken zu machen. Allerdings muss natürlich das Wetter stimmen. Da bzw. gerade weil es in Spanien wenig Regentage gibt, ist diese Freizeitgestaltung überhaupt erst möglich. In Deutschland könnte man dies, wenn überhaupt,  nur im Sommer machen.

Mein besonderes Erlebnis

Doch die Erinnerung, die ich mit dir heute teilen möchte, hat mit einem anderen Spanien-Aufenthalt von mir zu tun. Wie du vielleicht weißt, war ich nach dem Abitur als Au-Pair in Madrid. Zu dieser Zeit hatte ich das Thema Botellón gar nicht mehr auf dem Schirm. Eine Freundin, die schon länger in der Hauptstadt Spanien war, lud mich an einem Freitagabend zum Vortrinken ein. Sie nannte mir die Uhrzeit und den Ort des Treffens. Vorher gingen wir bei einem der unzähligen Chinos einen Tinto de Verano kaufen. Über den Sommer habe ich Unmengen an Sangria und Tinto de Verano getrunken. Das sind zwei Getränke, die ich daher automatisch mit Madrid verbinde und bei dem viele schöne Erinnerungen aufkommen.

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Ich hatte komplett vergessen, dass man in Spanien mit Botellón in den Freitagabend startet. Als wir dann in Richtung Templo de Debod, einem Park im Zentrum Madrids, gingen, wurde mir bewusst, was wir nun tun würden. Plötzlich kamen all die schönen Erinnerungen aus Galizien, dem Norden Spaniens wieder hoch. Ich freute mich sehr, endlich wieder ein Teil der spanischen Trinkkultur zu sein. Außerdem lernte ich dadurch sofort ganz viele neue Menschen kennen. Zu einigen habe ich bis heute noch ziemlich guten Kontakt.

Wir setzten uns also zu ein paar Freunden von meiner Begleitung in den Kreis. Jedes Mal, wenn jemand neu hinzu kam, stellte man sich vor. Auch Musik wurde gespielt. Denn irgendwie hatte immer jemand eine Gitarre bei. Und wenn es niemand von uns war, dann jemand im Nachbarkreis. So konnte man sich wirklich perfekt auf den bevorstehenden Clubbesuch vorbereiten, finde ich. Außerdem ergänzt es genau das, was ich am Feierngehen nicht so mag: in der Disco kann man sich nicht unterhalten. Beim Vortrinken in Deutschland sind oft auch nur ein paar Leute dabei und es fällt, meiner Meinung nach, häufig viel zu kurz aus. All dies wird durch Botellón irgendwie kompensiert.

Wer räumt nachher auf?

Natürlich sollte man beim Losgehen auch daran denken, seinen Müll wieder mitzunehmen. Denn das ist der Hauptgrund, wieso einige Regionen in Spanien Botellón bereits verboten haben. Glasscherben, leere Plastikbecher und Einkaufstüten werden häufig leider zurückgelassen, weil niemand sich dafür verantwortlich fühlt. Und das, obwohl an praktisch jeder Ecke in diesem Park Mülleimer aufgestellt sind.

Leider muss man auch dazu sagen, dass es mittlerweile fast überall in Spanien verboten ist, in der Öffentlichkeit Alkohol zu konsumieren. Ich denke, dass dieses Verbot eingeführt wurde, um Botellón zu verbieten. Trotzdem tun es die meisten Jugendlichen weiterhin.

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Fazit

Eventuell könnte dich dieser Bericht davon abgeschreckt haben, bei Nacht in einen Park in Spanien zu gehen. Natürlich gibt es auch hier Menschen, die etwas zu tief ins Glas schauen. Aber das passiert auf eigentlich jeder Party, egal ob sie im öffentlichen Raum stattfindet oder bei jemanden zu Hause.

Und da wären wir auch schon bei einer Problematik: öffentlicher Raum. Eigentlich ist es mittlerweile verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu sich zu nehmen. Trotzdem tun es viele Jugendliche noch immer.

Auch für diejenigen, die Clubs nicht mögen, ist Botellón etwas. Wenn du eher selten in Discotheken gehst, hast du trotzdem die Möglichkeit einen lustigen Abend mit deinen Freunden zu verbringen und anschließend nach Hause zu gehen.

Niemand zwingt dich, etwas zu trinken. Man kann ja auch ohne Alkohol Spaß haben. Trotzdem würde ich dir empfehlen, einmal bei einer solchen Aktivität dabei zu sein. Am Ehesten könnte man es mit einem Festival vergleichen. Aber ansonsten kenne ich nichts, was dem nur ansatzweise ähneln würde. Es gehört nun einmal zur spanischen Kultur und sollte einmal miterlebt werden.

Kennst du Botellón? Würdest du mitmachen?

5 Kommentare

  1. Hallo Iza,
    ich habe oft nach einem Urlaub in Spanien festgestellt, dass Müll dort immer noch ein Thema ist. Es hat sich zwar schon ein wenig verbessert, aber noch so richtig ist Müllvermeidung und Umweltschutz immer noch nicht in Spanien angekommen. Das merkt man an der Erziehung von kleinen Kindern, die ihren Müll einfach auf den Boden werfen und die Eltern nicht reagieren. Das wäre in Deutschland mittlerweile kaum noch möglich. Ich hoffe das sich dieses noch verbessert. Freue mich für dich, dass du so wunderbaren Wein geschenkt bekommen hast.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de/

    1. Izabela sagt: Antworten

      Da hast du auf jeden Fall Recht. Meine Gastfamilie damals hatte noch nie wirklich etwas von Mülltrennung gehört usw. Aber ich denke, dass dieses Problem in allen südlichen Ländern sehr präsent ist, nicht nur in Spanien..

  2. Sophia sagt: Antworten

    Oh ich würde auch so gerne wieder nach Spanien. Schöner Post 🙂

    http://www.sophias-fashion.de

  3. Hallo Iza,
    das klingt ja mal echt interessant! Geht mir im Grunde nämlich genau wie dir: Ich mag es zwar prinzipiell schon feiern zu gehen, nur man kann sich in der Disco eben schlecht unterhalten. Und dass man bei Botellón gleichzeitig auch noch neue Leute kennenlernt, ist doch ein netter Nebeneffekt. Wirklich schade, dass sowas in Deutschland schlecht umsetzbar wäre, ich wär sofort dabei. Vielleicht muss ich einfach mal nach Spanien.
    Grüße, Nela
    http://grovndless.blogspot.de

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Nela,
      ich finde, wie gesagt, dass man das einmal miterlebt haben muss. Allerdings ist es ohne heimische Kontakte schwierig da wirklich reinzukommen, weil man nicht einfach so Leute kennenlernt. Aber dafür gibt es ja Couchsurfing 🙂

      Liebe Grüße 🙂

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