Vom Heimkehren und Kulturschock |Blogparade

Mit dem heutigen Beitrag nehme ich an der Blogparade von Heldenwetter teil. Es handelt sich um ein Thema, das auf Blogs selten thematisiert wird und doch einen essentiellen Teil der Reise einnimmt: die Rückkehr.

Ich werde mich hierbei auf meine Erlebnisse beziehen und möchte dir helfen, falls du in genau derselben Situation bist wie ich es 2013 war. Ein Jahr zuvor machte ich mich auf den Weg nach Spanien, um dort als Aupair zu arbeiten. Aupairs sind Kindermädchen, die oftmals selbst gerade erst 18 Jahre alt geworden sind und die Schule abgeschlossen haben. Häufig machen jungen Frauen es, um die Zeit zwischen Schule und Studium oder Ausbildung zu überbrücken. Wie der Alltag eines Aupairs aussieht, kannst du hier nachlesen.

Meine Vorgedanken

Mir war klar, dass wir alle in der Zeit, in der ich weg bin, älter und reifer werden. Aus diesem Grund wusste ich, dass sich wahrscheinlich Einiges verändern würde. Ich dachte eigentlich auch nicht, dass ich nach der Rückkehr einen großen Kulturschock erleide. Denn schließlich ging ich in ein Land innerhalb Europas. So viele Unterschiede konnte es da doch gar nicht geben, dachte ich. Das waren meine Vorgedanken. Ob sie sich bewahrheitet haben? Das siehst du jetzt!

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Die ersten Tage

Bevor ich in Madrid mein Aupair-Jahr antrat, war ich bereits einige Jahre vorher bei einer Gastfamilie im Norden Spaniens. Deshalb dachte ich, dass mir die Kultur und die Menschen bereits vertraut seien.

Es war ein sehr schwüler und heißer Tag als ich Mitte Juli 2012 in Madrid am Flughafen ankam. Meine damalige Gastmutter holte mich ohne den Rest der Familie ab, weil sie den Rhythmus der Kinder nicht durcheinander bringen wollte. Für mich war das kein Problem, trotzdem fühlte es sich irgendwie komisch an. Eine Mischung aus Vorfreunde und Angst machte sich auf der Autofahrt zu meinem neuen zu Hause breit. Wir redeten über die kommenden Tage, die steilen Straßen und weiteren Smalltalk.

Als wir endlich am Haus angekommen waren, war es ein kleiner Schock für mich. Nicht nur, dass die Kinder ziemliche Probleme hatten, sich an mich zu gewöhnen, sondern auch die Wohnung war überhaupt nicht so eingerichtet, wie ich es von spanischen Familien gewohnt war. Kennst du dieses mulmige Bauchgefühl, dass man hat, wenn man sich unwohl fühlt? Ich hatte so etwas noch nie zuvor verspürt, wusste daher auch nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte. Am Liebsten wäre ich direkt wieder umgekehrt. Ich war mir nicht sicher, ob es das Richtige für mich ist, ob ich wirklich mit dieser Familie ein gesamtes Jahr verbringen möchte. All diese Sorgen plagten mich in meinen ersten Tagen und sie wurden nicht besser. Deshalb wechselte ich dann irgendwann die Familie.

Mit der zweiten Gastfamilie war ich ziemlich zufrieden. Ich fühlte mich wohl und akzeptiert. Und so langsam konnte ich mich auch einleben. Ich habe mich an viele Eigenarten und Sitten der Spanier gewöhnt. Es war für mich irgendwann normal, mit Keksen und Kakao zu frühstücken, einen Mittagsschlaf zu halten und sich keine Gedanken mehr zu machen, wenn der Bus Mal wieder nicht kommt. Diese „Kommst-du-heute-kommst-du-Morgen“-Mentalität habe ich mir leider bis heute nicht ganz abgewöhnt.

Die letzten Tage

In den letzten Tagen vor Ort habe ich noch einmal alle Dinge gemacht, die ich zu Hause in Berlin für eine unbestimmte Zeit nicht mehr machen werde. Neben Churros essen und bei Stradivarius shoppen zu gehen, traf ich mich auch noch einmal mit all meinen Freunden. Es war eine sehr komische Situation, weil man nicht wusste, wann man sich wiedersieht. Ob man sich überhaupt jemals wiedersieht.

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Obwohl ich mich wahnsinnig auf zu Hause freute, weil mich der Job des Aupairs leider nicht genug gefordert hat, war ich traurig. Traurig darüber, dass ein Lebensabschnitt zu Ende geht und die Zeit so nie wiederkommt. Langsam wurde mir bewusst, dass ich mich sicherlich verändert habe. Aber auch die Menschen Daheim sind bestimmt nicht mehr dieselben wie sie vor meiner Abreise waren. Bereits in Madrid habe ich gemerkt, dass Distanz manchmal das Knock-out für eine Freundschaft sein kann. Kontakt zu halten ist eben gar nicht so einfach – und dass, obwohl ich in derselben Zeitzone gelebt habe. Wie soll es dann nur den Menschen in Amerika, Südafrika oder Indien ergehen?

Die Rückkehr

Am Flughafen holten mich meine Familie und eine Freundin ab. Sie war mich kurze Zeit vorher noch in Madrid besuchen. Ich war also mit einem lachenden und einem weinenden Auge, mit gemischten Gefühlen gelandet. Und es fühlte sich auch komisch an, wieder auf deutschem Boden zu stehen.

Eines der ersten Dinge, die ich machte: genauso wie vor der Abreise erneut alle möglichen Ärzte zu besuchen. Irgendwie vertraue ich dem deutschen Gesundheitswesen ein bisschen mehr als dem spanischen. Danach ging ich mit meiner Mutter einen Döner essen. Auf dieses Gericht hatte ich nun sehr lange verzichtet, weil es in Spanien einfach nicht gut schmeckt. Meine Mutter legte dabei ihr Handy auf den Tisch, an dem wir saßen. Und da wurde mir bewusst: auch das habe ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen. Als ich in Spanien war, war dieses Land gerade in der Krise, deshalb wurde viel geklaut. Ich kenne einige Leute, die ihre Geldbörse, ihr Handy oder ihre Kreditkarte verloren haben. Niemand legte sein Handy auf den Tisch, weil die Gefahr zu groß war, dass es wegkommt.

Auch in der Bahn lasse ich bis heute meine Tasche keine Sekunde lang aus dem Blick. Wieso? Ich stand einmal in einer überfüllten Bahn in Madrid und hatte beide Hände auf meiner Tasche. Plötzlich spürte ich eine dritte Hand im Innenraum. Reflexartig ging ich einen Schritt zurück und schrie die Frau an, dass sie mich beklaue, als mein Handy erneut auf den Boden der Tasche fiel. Seitdem passe ich auf meine Sachen besser denn je auf. Allerdings kann das manchmal schon ein wenig anstrengend sein, da ich bis heute mit Angst Bahn fahre und in Menschenmassen alle zwei Sekunden nachschaue, ob alles noch da ist.

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Hat sich so viel verändert?

Ehrlich gesagt, war ich überrascht als ich wieder auf meine alten Freunde traf. Sie waren noch immer dieselben wie vorher. Einige studierten, andere haben sich auch eine Auszeit genommen und gearbeitet. Wieder andere sind wie ich ins Ausland gegangen. Es fühlte sich irgendwie an, als wäre man nie weg gewesen. Man sprach über dieselben Dinge wie noch vor einem Jahr.

Doch schnell merkte ich, dass es nicht sie waren, die sich verändert hatten, sondern ich. Ich wollte nicht mehr dieselben Kartenspiele wie früher spielen. Ich wollte auch nicht mehr über uralte Geschichten sprechen. Langsam bekam ich das Gefühl, dass für sie die Zeit stehengeblieben war und sie sich nur für mich weitergedreht hatte. Irgendwie passte ich nicht mehr zu ihnen, nicht mehr zu ihren Themen. Es fühlte sich an als wäre ich 10 Jahre älter und reifer als sie. Und so erging es allen meinen Freunden, die im Ausland waren.

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Ich kam nicht nur reifer und mit mehr Erfahrungen wieder, sondern hatte auch meinen eigenen Lebensstil geprägt. Dadurch, dass ich quasi alleine und selbstständig gelebt habe, entwickelte ich meine eigene Art, die Wohnung sauber zu halten, zu kochen und zu wohnen. Deshalb fällt es mir bis heute schwer, erneut zu Hause einzuziehen.

Ich bereue nicht, diese Reise unternommen zu haben. Im Gegenteil: ohne sie wäre ich nicht die, die ich jetzt bin. Ich habe eine neue Sprache gelernt, gemerkt, wie gut wir es hier in Deutschland haben und verspürt, was die wirklich wichtigen Dinge im leben sind. Bis heute frage ich mich, ob ich ebenfalls am selben Punkt stehen geblieben wäre, wie meine Freunde von damals. Was meinst du?

5 Tipps gegen den Post-Travel blues

Unser Freund Wikipedia sagt, dass der Post-Travel oder Post-vacation blues „a type of mood that persons returning home from a long trip may experience” ist. Das heißt, es handelt sich um ein bestimmtes Gefühl, was man nach Rückkehr verspürt. Ich persönlich würde es als eine Mischung aus Melancholie und Traurigkeit bezeichnen. An dieser Stelle möchte ich dir 5 Tipps geben, was du gegen dieses Gefühl tun kannst. Dazu habe ich bereits einen Beitrag gemacht. Lies hier nach, was ich dir rate!

 

Hattest du schon einmal nach einer längeren Reise einen Kulturschock in deiner eigenen Heimat?

 

7 Kommentare

  1. Oh ich kann dich sehr gut verstehen! Ich war nach dem Abi fuer ein Jahr in London auf einer Sprachschule. Anfangs war ich noch in Gastfamilien untergebracht, aber nach der zweiten habe ich dann beschlossen, ins Internat der Schule zu gehen. Ich kenne das Gefuehl sehr gut, wenn man bei Fremden leben soll und sich dort nicht wohl fuehlt. Meist vergeht auch das Anfangsgefuehl nicht. Es hat dann auch meiner Meinung nach nicht wirklich einen Sinn, dort zu bleiben.

    Ich habe mittlerweile weitere 5 Jahre in GB verbracht (on und off). Auch die Gefuehle der Wiederkehr kenne ich. Freunde bleiben meist nicht wenn man ins Ausland geht, aber auch generell sehe ich Deutsche mit anderen Augen. Viele sind zu sehr auf ihre eigene kleine Welt beschraenkt und sehen meist nicht ueber den Tellerrand hinaus, was ich schade finde. Kulturen bereichern sich doch gegenseitig und wenn man laengere Zeit im Ausland gelebt hat, finde ich, kann man sich grundsaetzlich kultivierter ausdruecken und die Erfahrungen bereichern einen ungemein. Leider teilen nicht all diese Lebenseinstellung, von daher wird man immer wieder bei anderen anecken.

    Caz | Style Lingua

    1. Izabela sagt: Antworten

      Das stimmt. Bei den Aupair-Gastfamilien ist es noch dazu so, dass sie dich meistens (zumindest in Spanien) doch eher als Arbeitskraft als als vollwertiges Familienmitglied ansehen. Im Internat war es dann besser? Liebe Grüße 🙂

  2. Dieses entfremden von Freunden kann dir in jeder Situation passieren, denke ich. Vielleicht ist es einfach nur früher passiert, weil du schneller anhand deiner Erfahrungen gereift bist. Mir ging es nämlich nach meinem Schulabschluss ähnlich, denn mit Beginn der Ausbildung hat sich für mich anderes geändert als für viele meiner Freunde. Irgendwie verloren wir teilweise einfach das Verständnis füreinander, nach einer so langen Reise ist das auch bestimmt ein noch krasseres Gefühl. Würdest du denn nochmal so lange weg bleiben wollen oder hättest du Angst vor den Veränderungen?
    LG
    Nessa

    1. Izabela sagt: Antworten

      Auf jeden Fall kann es auch in anderen Situationen passieren. Immer dann, wenn das Leben sich verändert eben. Also ich würde trotzdem immer wieder für längere Zeit weggehen – tue ich im August auch, da gehe ich nämlich nach Istanbul für mindestens ein halbes Jahr. Und du? Liebe Grüße, Iza 🙂

  3. Hi Iza,

    dein Beitrag hat mich auf die Blogparade aufmerksam gemacht und passt perfekt zu meinem letzten Post, ich war nämlich nach 11 Monaten in den USA gerade für zwei Wochen zu Besuch zuhause in Deutschland. Kulturschock inklusive! Vielleicht magst du ja mal reinlesen: https://franziefliegt.wordpress.com/2015/07/04/deutschlandtagebuch/

    Ganz liebe Grüße

    Franzi

    1. Izabela sagt: Antworten

      Hallo Franzi, ich schaue mir deinen Beitrag gleich Mal an 🙂 Liebe Grüße!

  4. Sehr schöner Artikel! Mir ging es beim Heimkommen ganz ähnlich wie dir, ein sehr eigenartiges Gefühl 🙂 Und mit manchen Menschen lebt man sich dann einfach auseinander, das ist ganz normal…

    Vielen lieben Dank für die Teilnahme an der Blogparade, ich hab mich wirklich sehr gefreut!

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