Warum Berlin und ich eine Hassliebe führen

Ich liebe Berlin. Gleichzeitig liebe ich es aber auch nicht. Lass mich das erklären:

Ich komme aus unserer Hauptstadt und bin hier aufgewachsen. Es ist meine Heimat, hier fühle ich mich zu Hause. Und wer kommt schon nicht gerne Heim? Gleichzeitig aber finde ich den Ostteil der Stadt unglaublich dreckig und schmuddelig. Das soll so sein, sagt man. Das macht Berlin aus, sagt man. Und doch, führt es mich immer wieder nach Friedrichshain, Kreuzberg oder Prenzlberg. Und wenn ich dann dort bin, liebe ich es wieder.

Die Offenheit der Menschen, das Bier vom Späti und die Selbstverständlichkeit, sich zu dutzen. Das macht Berlin für mich aus. Die schönen Hausfassaden in Charlottenburg, die vielen Grünflächen in der gesamten Stadt, die Spree. Das liebe ich hier. Das Gefühl von zu-Hause-sein, die Möglichkeit, zu jeder Tageszeit an jeder Ecke das Wichtigste kaufen zu können und meine liebsten Lieblingsmenschen. Das mag ich an Berlin.

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Doch trotzdem habe ich öfter Mal die Schnauze voll von dieser Stadt. Warum, fragst du dich? Naja, ich denke, das hängt auch mit meinem ständigen Drang etwas Neues zu entdecken zusammen. Wie ich bereits hier meinte, kenne ich Berlin ziemlich gut und schätze viele Dinge nicht, da sie für mich selbstverständlich sind.

Deshalb nerven mich an machen Tagen die vollen Bahnen, die Hundehaufen auf der Straße, der Regen, die immer selben Häuser und Wege. Ich sehe nicht, dass ich in dem Moment an einer bedeutenden Sehenswürdigkeit, dem bekanntesten Gebäude oder einem leckeren Restaurant vorbei fahre.

Wenn mich wieder einmal dieses Gefühl überkommt, möchte ich einfach nur weg. Der Monotonie entfliehen und etwas Neues entdecken. Eine andere Stadt sehen, neue Gesichter und Gegenden kennenlernen. Am besten mit einem Meer vor der Tür. Denn das ist etwas, was mir in Berlin fehlt: das Geräusch der Wellen, Spaziergänge am Strand und entlang der Promenade shoppen zu gehen. Also plane ich die nächste Reise, das nächste Abenteuer, auf das ich mich freuen kann.

Immer wenn ich für eine längere Zeit im Ausland lebe, um die Fernsucht vor Ort zu stillen, merke ich dann wieder, wie sehr Berlin mir doch fehlt. Mit all seinen Eigenarten und Unordentlichkeiten. Mit all seinen Baustellen und Straßenfeger-Verkäufern. Mit allem, was diese Stadt für mich ausmacht eben.

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Und dann brauche ich wieder meine Portion von meinem Berlin. Von der Lieblingspizza beim Italiener, vom besten Cocktail der Stadt und dem entspannten Park. Dann möchte ich wieder allen Dingen nachgehen, die ich woanders vermisst habe bis mir erneut alles zu Kopf steigt und mich langweilt.

Geht es dir auch so mit deiner Heimatstadt?

13 Kommentare

  1. Ein wirklich schön geschriebener Post! Ich kann das nachvollziehen, obwohl mir Hamburg nicht wirklich richtig über ist, aber mich zieht es einfach auch immer wieder raus und umso mehr freue ich mich dann beim wieder nach Hause kommen noch eine Runde an der Alster vorbei zu fahren. Hallo sagen… 🙂

    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

  2. Interessanter Beitrag. Kann dich irgendwie verstehen. Nur ich glaube jeder würde sich wünschen, das Meer direkt vor der Nase zu haben egal in welcher (Gross)- Stadt man wohnt…
    Und das ist leider fur viele von uns nicht möglich da bist du nicht allein.
    Gruss Sari

  3. Ich war bisher einmal in Berlin und meine kurzen Eindrücke decken sich mit deinen langfristigen Erfahrungen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Marie <3

  4. Ein sehr guter Post, ich war bis jetzt 3 Mal in Berlin und ich beneide dich, dass du dort lebst! Hier im Ruhrgebiet geht es etwas ruhiger zu haha. Aber ich kann dich gut verstehen, manchmal braucht man einfach etwas anderes vor der Nase. Zum Glück trete ich dieses Jahr meine Reise nach Thailand an. Hoffe, du kommst dieses Jahr auch noch an den Strand 🙂

  5. Diese Geschichte kenne ich auch. Eigentlich liebe ich meine Stadt aber manchmal…ja da kommt sie mir zu den Ohren raus. Ich glaube aber, wenn ich mein Abenteuer im August beginne werde ich schnell merken was so schön an ‚daheim‘ ist.
    Liebe Grüße,
    Farina

    1. Izabela sagt: Antworten

      wohin führt dich dein Abenteuer denn? 🙂

  6. Ich lese immer wieder von dieser Hassliebe (du bist nicht die Einzige anscheinend) und muss jetzt wohl auch endlich mal hin und mir selbst ein Bild von der Stadt machen. 🙂
    Meine „Heimat“ ist ein gaaanz kleines Dorf und ja, es ist schön nach längerer Zeit wieder dort hin zu kommen, weil meine Familie dort ist und auch das idyllische Landleben finde ich für 1-2 Tage richtig toll, aber dann freue ich mich wieder wenn ich zurück in die Stadt kann. 🙂

    1. Izabela sagt: Antworten

      Wirklich? Ich würde gerne Mal andere Berichte über diese Hassliebe lesen! 🙂 Komm auf jeden Fall einmal hier her, allein historisch gesehen ist Berlin eine interessante Stadt. 🙂

  7. Ich kann diese Faszination für Berlin, die viele hegen, gar nicht nachvollziehen.
    Berlin ist eine Stadt genau wie Frankfurt und Frankfurt ist auch nicht gerade hübsch. :/

  8. Das hast du wirklich sehr schön geschrieben und ich muss dir in deinen Worten so viel recht geben, wie ich es nur kann.
    Zwar bin ich nicht in Berlin geboren, wohne jedoch schon seit einiger Zeit dort. Wo genau? Ich hab es geschafft im wundervollen Kreuzberg zu landen und liebe diese Ecke. Wenn ich an Berlin und an mein Zuhause denke, denke ich an Kreuzberg. Vielleicht noch zum Teil an Neukölln, aber hauptsächlich ist nur dieser eine Bezirk mein zuhause.
    Und nun kommt nämlich auch mein Hass. Denn es gibt Stadtteile mit denen kann ich nichts anfangen. Da fühle ich mich unwohl und fremd… Sicher! Diese Stadtteile sind auch schön, aber Mitte gefällt mir zum Beispiel sowas von gar nicht

    Liebe Grüße,
    Bambi
    http://xfunkelmaedchen.blogspot.de

    1. Izabela sagt: Antworten

      Vielen Dank für deine offene und ausführliche Antwort. Ich denke, dass jeder so seine Lieblingsbezirke hat. Berlin ist eben sehr vielfältig.

  9. Du sprichst mir aus dem Herzen…. Ich bin auch in Berlin aufgewachsen und habe die gleichen Gefühle, wie du. Meine Kindheit und Jugend habe ich noch mit der Mauern und den nervigen Fahrten durch die Transitstrecke verbracht. Dadurch ist mein Blickwinkel nochmal ein anderer. Bezirke wie Mitte und Prenzlauer Berg sind für mich noch immer etwas bizarr und werden es wohl auch immer bleiben.

    1. Izabela sagt: Antworten

      Wow, das muss auch interessant sein, so etwas miterlebt zu haben und somit aus erster Hand berichten zu können. 🙂

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