Warum ich irgendwann aufgehört habe, Postkarten zu kaufen.

Ich habe eine kleine Sammelsucht nach Postkarten. In jedem Café, Restaurant und in jeder Bar mache ich nach dem Gang zur Toilette erst einmal an der Wand halt, an der die kleinen quadratischen Kärtchen ausgelegt sind. Manchmal ist es ein frecher Spruch, manchmal das Motiv, das mich dazu veranlagt, die Postkarte einzustecken. Doch ich sammle nicht nur solche Kärtchen, sondern auch die Sorte, die aus dem Urlaub kommt. Und genau um diese Postkarten soll es im heutigen Beitrag gehen.

Wie kam es zu dieser Sammel-Leidenschaft.

Früher war es noch üblich, sich unter Freunden Urlaubgrüße zu schicken oder der Familie zu präsentieren, an was für einem schönen Strand man gerade liegt. Da kamen jeden Sommer schnell einige Postkarten zusammen. Heutzutage passiert dies eher im Internet auf Facebook und Co. Damals habe ich die Leute immer gefragt, ob sie mir eine Postkarte schicken können, “da ich gerne von jedem Ort auf der Welt eine hätte”. Zwar wusste ich schon damals, dass es ein unrealistisches Ziel ist, trotzdem wollte ich dem ein Stückchen näher kommen. Vor Augen hatte ich dabei immer eine Wand voller Urlaubeindrücke, an die ich diese Errungenschaften anbringen wollte. Natürlich ist das bis heute nicht geschehen. Eher liegen diese Postkarten wild verteilt in verschiedenen Kisten herum und verstauben.

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Was hat sich seitdem verändert?

Nicht nur die immer wichtiger werdende multimediale Kommunikation hat dazu beigetragen, dass ich meine Meinung geändert habe bzw. ändern musste. Hand auf’s Herz – wer verschickt heutzutage noch Postkarten. Bei einer kleinen Umfrage innerhalb meines Freundeskreises wurde häufig betont, dass man (wenn überhaupt) nur noch an die Oma, den Opa oder die Eltern schreibt. Dem kann ich ebenfalls nur zustimmen. Früher musste man jedes Mal auf Klassenfahrt noch die obligatorische Postkarte nach Hause verschicken. Heutzutage schreibt man eher eine SMS, dass man gut angekommen ist. Aber nicht nur der andere Umgang mit Medien hat meine Einstellung dazu verändert. Wie ich bereits meinte, verstauben die Postkarten in irgendwelchen Schränken. Ich könnte nicht einmal genau sagen, wie viele es mittlerweile sind. Natürlich nehme ich mir schon sehr lange vor, sie aufzuhängen. Aber am Ende fehlt dann doch irgendwie die Zeit und Motivation. Noch heute glaube ich, dass sie irgendwann an meiner Wand landen werden.

Wie ein Roadtrip mir die Augen öffnete.

Trotzdem habe ich aufgehört, weitere zu kaufen. Warum? Weil ich zu häufig auf Reisen bin. Letztes Jahr habe ich im Sommer eine Tour quer durch Europa gemacht. Der erste Halt war Amsterdam. Dort habe ich mir noch einen Flaschenöffner und Postkarten als Souvenir gekauft. Wie das eben so ist auf einem Roadtrip, folgten weitere Städte. Schnell merkte ich, dass mein Koffer für so viele Mitbringsel gar nicht genug Platz hergibt. Also hörte ich als erstes auf, diese Dinge zu kaufen. Außerdem fiel mir auf, dass Postkarten bei einem so häufigen Ortswechsel doch ganz schön in den Geldbeutel greifen können. Wenn man im Durchschnitt mit 1 Euro pro Postkarte rechnet und ich 10 Zielorte passiert habe, kommt man auf mindestens 10 Euro. Bestimmt kennst du das aber auch, dass man niemals nur eine mitnimmt, sondern meistens 3-4 im Warenkorb landen. Da kommen schnell die 30-40 Euro für etwas zusammen, was dann nur in der Ecke rumliegt. Dieses Geld investiere ich lieber in ein leckeres Abendessen oder eine entspannte Bootstour.

Was mich zu diesem Artikel inspiriert hat

Wenn du mir auf Instagram folgst, hast du vielleicht schon mitbekommen, dass mich letzte Woche eine Postkarte aus Kuba erreicht hat. Ich war ziemlich überrascht, da wir dies bei einem Gläschen Wein besprochen hatten und ich niemals damit gerechnet hätte, dass am Ende wirklich eine ankommt.

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Das hat mich aber wirklich zum Nachdenken gebracht. Früher war es das Normalste, Postkarten zu erhalten. Dieses Mal musste ich überlegen, wann ich die letzte bekommen und verschickt habe. Und ich muss ehrlich zugeben: ich weiß es gar nicht. Irgendwie ist es ja schon ziemlich praktisch, dass heutzutage alle via Internet funktioniert. Denn damit werden neue Möglichkeiten aufgezeigt und weitere Türen geöffnet. Doch es ist auch ein wenig traurig, dass niemand mehr Briefe schreibt oder Postkarten verschickt. Dann frage ich mich aber wiederum, ob es nicht schöner ist, Momente und Erinnerungen zu sammeln als Postkarten.

 

Wie siehst du das Ganze? Erleichtert das Internet alles oder geht dadurch ein wichtiger, persönlicher Teil des Menschen verloren? Oder hast du auch eine zwiespältige Meinung wie ich?

 

 

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